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BERLYN MANIFESTO

DO IT EVERY TIME

Der Spirit, den die Marke BERLYN ausmacht ist genauso vielseitig, wie die toleranteste Metropole der Welt. Wer aus Berlin kommt oder längere Zeit dort verbracht hat kennt das Lebensgefühl: „Im Sommer tust Du gut und im Winter tut´s weh.“

An einem Abend im Jahre 1999 sitzen Sascha aka Diet, sein Sprühername, und Pat zusammen mit ihren Jungs und chillen. Alle Anfang 20, in West-Berlin aufgewachsen. Damals hat das noch einen Unterschied gemacht ob man im Osten oder Westen unterwegs war. Heute spüren das vielleicht noch die Ur-Berliner, aber ansonsten lassen sich die Bezirke nur selten in Ost und West unterscheiden.

Unsere Clique bestand aus typischen HipHop Kids der goldenen Newschool-Ära in den 90ern. Die einen machten Graffitis, und zwar so richtig, von wegen Nachts Trains bomben und vor den Zivis wegrennen. Zu der Fraktion gehörte Diet. Die anderen waren Musikfreaks und sammelten Vinyls – Downloads, Streamings, iTunes und Smartphones waren noch nicht einmal Science Fiction. Dann waren da noch die Player, Fitness-Pumper oder Dealer. Kiffen war normal. Unser Umfeld war geprägt von der HipHop Szene. Die DJs Smolface und Perez, heute „Beathoavenz“, bildeten zusammen mit DJ Desue das Trio „Triple X“ und standen mit den Rappern von „KMC“ am Anfang ihrer Produzentenkarriere. Nebenan im Wedding waren die Breakdancer „Flying Steps“ bereits mehrmals „Battle of the Year“ Gewinner und Patrice moderierte „MTV Fett“. Das waren alles Kumpels aus unserer Gegend, die motivierenden Einfluss auf Typen wie uns hatten. Man ist relativ frisch mit der Schule fertig und weiß noch nicht so richtig wohin die Reise gehen soll – irgendwas mit Musik, irgendwas mit Grafikdesign.

Zurück zu dem Abend in 99. Ein Joint macht die Runde und ein Mixtape – genau, ein Tape! – läuft. Die Gespräche kreisen wie immer hin und her zwischen Welteroberung, Girls, Parties und Dispo. Diet ist mit Bleistift und Papier beschäftigt und schiebt mir seine Zeichnung rüber. Berlin mit Y geschrieben und Swoosh drunter, genauso wie Brooklyn, nur eben: BERLYN. Unsere roten Augen guckten sich an und bei beiden machte es Klick. Was darauf folgte war ein typischer Laberflash, aber im Gegensatz zu sonst kamen uns die Ideen auch am nächsten Tag noch plausibel vor – sie sind es heute noch.

Wir bedruckten 100 T-Shirts und verschenkten die Auflage an unsere Freunde. Leider hatten wir nicht mehr Kohle um direkt weiterzumachen. Einerseits waren wir Traumtänzer, andererseits meinten wir´s schon Ernst. Das Angebot einer Souvenir-Kette die Produktion zu übernehmen und in diesen typischen Berlin-Shops zu verkaufen schlugen wir aus. Außerdem waren wir abgelenkt. Pat kam über eine Marketing-Ausbildung zur Plattenfirma und wurde Product Manager für HipHop Compilations (Juice, Splash usw.). Diet wurde von einer Firma in Herzogenaurach angeworben und so vom Sprüher zum Grafiker für Schuh-Design. In Anbetracht dessen, was all die Jungs vorher so gemacht haben, waren das die perfekten Jobs vom Abhängen auf der Straße in die entspannte Mittelschicht mit genau den Inhalten, die uns Spaß machten.

In den 00er Jahren wurde HipHop zum Mainstream und wir waren in Sachen Musik und Fashion ein Teil davon. Die Idee von BERLYN blieb vorerst auf der Strecke. Keine Zeit und kein Geld um es richtig aufzuziehen. Immerhin hatten wir uns zwischenzeitlich die Marke geschützt. Diet saß nun bei den drei Streifen in der Nähe von Nürnberg. Außerdem hatte in Berlin die Electro-Szene längst ihre eigene Geschichte geschrieben. Parties im WMF oder Cookies waren angesagt – krasse Locations, schöne Visuals, geile DJs, Longdrinks, hübsche Mädels und endlose Nächte. Im Berliner Nachtleben war es das Jahrzehnt der „Wasted German Youth“.

Mit Anfang 30 wird man langsam erwachsener. Alles entwickelt sich stetig weiter und Berlin wird für immer renoviert, was damit einhergeht, dass sich die Eingeborenen ihre Hütten nur noch am Stadtrand leisten können. Der technische Fortschritt rast so schnell, dass die Musikindustrie und deren Gesetze nicht mehr hinterherkommen. Eine Agentur- und Startup Szene macht sich breit. Apple und Google haben übernommen. HipHop hat bereits mehrere Höhen und Tiefen hinter sich und ist so populär und breit aufgestellt, wie noch nie. Kein Wunder, denn die Kids von damals sind heute Eltern und hören gerne ihre Goldies. Deren Kids wiederum feiern die Oldies ebenfalls ab und das zahlreich vorhandene Neumaterial sowieso. Mixtapes und Compilations gibt es nicht mehr. Dafür Streamings und individuelle Playlists, die jederzeit fast überall abrufbar sind. In 20 Jahren wird der Nachwuchs nicht mehr wissen, was eine Compact Disc gewesen ist.

Das Einzige, was digital unersetzbar bleibt ist das Live-Erlebnis bei einem Konzert oder auf der Tanzfläche im Club. Künstler, Produzenten und DJs, die Musik machen wird es immer geben und an neue Vertriebswege gewöhnt man sich schnell. Also alles gut! Und was ist jetzt mit BERLYN?

Manche Freundschaften halten für immer. Manche sind nur Phasen und man verliert sich wieder aus den Augen, aus dem Sinn. Manche Menschen arbeiten nur als Mittel zum Zweck. Andere lieben das, was sie tun. Die einen begreifen sich als Künstler und die anderen machen sich oder ihrem Publikum nur etwas vor. Ein paar Leute aus der damaligen Clique haben heute noch Kontakt zueinander und bilden ein Netzwerk. Einige aus dieser Generation sind in Positionen gekommen, von wo aus man nach den Buckeljahren selber gestalten und entscheiden kann. Das trifft auf Kreativschaffende genauso zu, wie auf Kaufleute, die den Bogen raus haben.

Ein Blick in die Kontaktliste vom Handy hat gereicht. So entstand 2014 die Idee von bookberlyn.com. 15 Jahre nach dem besagten Chill-out. BOOK BERLYN ist seitdem ein Netzwerk für DJs, Artists und Booking. BOOK BERLYN bietet Dienstleistungen und Produkte an, was die Ursprungsidee gewesen ist.

Besser spät als nie könnte man denken. In der Zwischenzeit ist alles gewachsen und die Idee aus der Marke etwas zu machen war immer da … Sascha weilt leider nicht mehr unter uns. Der traurige Abschied 2015 kam viel zu früh. Der Gedanke und seine Ideen gelten trotzdem, denn mit BERLYN wird eine Philosophie am Leben bleiben. Es geht dabei um Musik und Style. Es geht um ein Lebensgefühl. Genauso wie in dieser Stadt mit all ihren Facetten.

DIET steht für „Do It Every Time“.

DO IT EVERY TIME steht für BERLYN!

 

© 1999

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